Gestern Abend gab es Spitzkohl mit Hackfleisch und Kartoffeln. Ich wollte das Gericht in NutriLog anlegen, so wie die App es vorsieht: jede Zutat roh gewogen, bevor sie in den Topf kommt. Hackfleisch fand ich, Kartoffeln auch. Spitzkohl nicht. Die App bot mir eine Liste mit Weißkohl, Rotkohl und Blumenkohl an, dazu ein paar Fertigprodukte aus der Kühltheke, und ich stand da mit einem Kohl, den es in meiner eigenen App nicht gab.
Klar, ich hätte die Verpackung scannen können. Nur hat Spitzkohl selten einen Barcode. Und wenn jemand anders kocht und ich erst zum Essen dazukomme, ist von den Verpackungen nichts mehr zu sehen. Eine App, die beim Abendessen zuerst einen Barcode will, hat schon verloren.
Der zweite Stolperstein kam danach. Die erste Fassung der Gerichte wollte wissen, was der Topf nach dem Kochen wiegt. Das war gut gemeint: Beim Kochen verdunstet Wasser, 100 g vom fertigen Essen haben mehr Kalorien als 100 g der rohen Zutaten, und ohne diese Zahl rechnet jede App zu niedrig. Nur stellt niemand einen heißen Bräter aus dem Ofen auf die Küchenwaage. Die Frage nach dem Gewicht war richtig, aber sie ließ sich nicht beantworten.
Die Lösung für beides kam aus derselben Quelle. Seit Dezember 2025 ist der Bundeslebensmittelschlüssel frei verfügbar, die Nährstoffdatenbank des Max Rubner-Instituts. Bis dahin war er kostenpflichtig. Über 7.000 Lebensmittel, mit deutschen Namen und so, wie hier gegessen wird. Spitzkohl steht darin, und zwar gleich fünfmal: roh, gekocht, gedünstet, gebraten und gebacken.
Genau darin steckt der Trick. Weil die Datenbank dasselbe Lebensmittel roh und gegart kennt, samt Wassergehalt, lässt sich ausrechnen, wie viel 100 g roh nach dem Kochen wiegen. Hackfleisch verliert in der Pfanne rund ein Viertel seines Gewichts, Spitzkohl etwa ein Zehntel. Reis dagegen saugt Wasser auf und wiegt gekocht fast das Dreifache. NutriLog kennt diesen Faktor jetzt für die Zutaten, bei denen es darauf ankommt – Fleisch, Fisch, Gemüse, Kartoffeln, Reis und Nudeln –, rechnet die Menge daraus selbst aus, und du wiegst nur noch deine Portion.
Exakt ist das nicht, und wir wollen es auch nicht so verkaufen. Wie die rohen Zutaten gegart werden, weiß die App nicht: Bei rohen Kartoffeln geht sie davon aus, dass sie gekocht werden. Landen sie im Ofen, liegt die Schätzung ein paar Prozent daneben. Ohne diese Anpassung konnte sie bei einem Ofengericht bis zu zwanzig Prozent danebenliegen, und zwar immer in dieselbe Richtung. Deshalb steht beim Gericht jetzt „geschätzt“, und das meinen wir wörtlich.
NutriLog kennt damit über 7.000 unverpackte Lebensmittel und Gerichte, offline, direkt in der App. Was im Laden eine Verpackung hat, findet die App weiter über den Barcode. Was keine hat, muss man jetzt nicht mehr abtippen.
Wie wiegst du eigentlich, was bei dir zu Hause auf den Tisch kommt – die Portion, den Topf oder gar nicht?